Bildungsverein der KPÖ Steiermark
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Ausstellung: Alfred Hrdlicka

NOCH BIS 21. JUNI!

Der KPÖ-Bildungsverein präsentiert Werke von Alfred Hrdlicka aus der Sammlung Diethard Arsenschek.


KPÖ-Bildungszentrum, Lagergasse 98a, 8020 Graz

 Die Ausstellung ist bis 21. Juni zu sehen. Di-Sa, 10 bis 18 Uhr (Do bis 21 Uhr)

Info-Telefon: 0316/225931

Alfred Hrdlicka
Skulptur, Mischtechnik, Zeichnung, Grafik
aus der Sammlung Arsenschek


Veranstaltet von: KPÖ Bildungsverein
Kuratiert von: Günter Eisenhut
Gestaltung und Hängung: Edgar Sorgo und Karl Grünling
Grafik: Max Gansberger
Mit Dank an: Diethart Arsenschek und Galerie Hilger, Wien

Zum 80. Geburtstag des großen Bildhauers gibt es im Grazer Volkshaus eine Ausstellung selten gezeigter Werke Hrdlickas, die vom steirischen Sammler Diethart Arsenschek zur Verfügung gestellt werden.

Er kann sich nur mehr schwer bewegen. Die Last des Gesteins, dem er Jahrzehntelang Form und Struktur abgerungen hat, lastet auf Gelenken, Knochen, Haut. Man sieht Alfred Hrdlicka an, wie schwer seine Arbeit war, die er mehr als Berufung denn als Beruf sah. Mehrere seiner Werke aus einer Privatsammlung sind im Juni im Bildungsverein der KPÖ zu sehen.
Alfred Hrdlicka erblickte am 27.2.1928 das Licht dieser Welt. Dem bekennenden Kommunisten wurde das politische Weltbild vom Vater in die Wiege gelegt, der sich als Kommunist Widerstand gegen das Naziregime leistete. Klein Alfred half damals beim Verteilen verbotener Flugblätter. Auf der anderen Seite interessierte er sich für die Bekannten seiner Mutter – darunter Anna Freud, Tochter Sigmund Freuds, für deren Projekt Hrdlickas Mutter verhaltensauffällige Kinder betreute. Die Mischung aus intellektuellem und Arbeitermilieu aus der Vorstadt prägte sein Schaffen.
Berühmt wird der Bildhauer 1959 mit seinem Gekreuzigten, er schafft Zyklen über Einzelgänger und Antihelden, über historische Begebenheiten, über Lust und Leiden nebeneinander – immer gehauen aus Stein. Einmal mehr für Aufregung sorgte er 1991 mit seinem „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus” am Wiener Albertinaplatz. Heute greift er zum Pinsel statt zu Hammer und Stemmeisen.
„Ich bin eine Ruine”, sagt der Künstler von sich. Seine Gesundheit ist von der jahrzehntelangen Arbeit mit Stein stark angegriffen. Seine Werke sind dauerhaft.

Warum ich Werke von Alfred Hrdlicka sammle

Diethart Arsenschek

Obwohl mein Interesse an Kunst schon in früher Kindheit geweckt wurde, begann ich erst vor ungefähr 12 Jahren bescheiden zu sammeln. Verführt dazu wurde ich durch den Art-Club der Galerie Ernst Hilger.
Nachdem ich vorrangig Hrdlicka-Grafiken erwarb und mehrmals den Wunschtraum äußerte, einmal Prof. Hrdlicka persönlich kennen zu lernen zu wollen und vielleicht sogar sein Prateratelier besuchen zu dürfen, wurde ich gefragt, weshalb ich mit so viel Beharrlichkeit neben den zahlreichen Werken anderer Künstler immer wieder nach Hrdlicka-Grafiken und später Zeichnungen und Bronzen suchte.
Meine spontane Antwort: „Wenn man wie ich 1939 geboren wurde, Familiennamen Arsenschek trägt und den Vornamen Diethart bekommt, wird man das Thema Faschismus-Antifaschismus ein Leben lang nicht mehr los.“ Diese Äußerung löste Lächeln aus.
Zwei Tage darauf erhielt ich einen Telefonanruf Prof. Hrdlicka lud mich zu einem Besuch in das Prateratelier ein.
Mich erwartete eines der beeindruckendsten Erlebnisse meines Lebens:
Die persönliche Begegnung mit Prof. Hrdlicka und seiner Frau Angelina! Das riesige Atelier, die unfassbare Zahl von großartigen Steinskulpturen, Bronzen, Gips- und Ton- Modellen, Gemälden, Zeichnungen und Grafiken! Wie kann e i n Mensch, wenn er auch oftmals als „Berserker“ apostrophiert wurde, all dies in e i n e m Leben (er)schaffen? Prof. Dietrich Schubert (Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg) schreibt in seinem 2007 erschienen Buch
„Alfred Hrdlicka – Beiträge zu seinem Werk“ (Wernersche Verlagsgesellschaft) folgendes: „Ohne Zweifel ist der österreichische Steinbildhauer, Zeichner und Graphiker Alfred Hrdlicka einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit-Gegenwart, der sich immer den Moden und dem neuen L `Art pour I `Art des Kunstbetriebs verweigerte, - der wichtigste Revolteur-Künstler unserer Epoche nach der Nazi-Diktatur.“
Ich frage mich, weshalb diesem großen Künstler noch immer kein Museum gebaut wurde. Das Prateratelier mit all seinem Flair wäre der geeignete würdevolle Raum dafür. Vielleicht werden KunstexpertInnen, die Stadt-, Landes- und BundespolitikerInnen doch endlich aktiv.

Vorurteile

Günter Eisenhut

Der Stalinist: Krieg, Gewalt und Faschismus sind die dunklen Seiten menschlichen Handelns, gegen die Alfred Hrdlicka bewusst mit seinen Mitteln der Kunst agitieren will, um an den Machtverhältnissen dieser Welt zu rütteln. Sein künstlerischer kategorischer Imperativ ist es, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, verlassenes, verächtliches Wesen ist“ (Karl Marx). Seine Methode ist es, das Unmenschliche um der verloren gegangenen Menschlichkeit willen ungeschminkt darzustellen. Er selbst sagt, er sei ein proletarischer Künstler. Wenn er seine Leserbriefe mit »Uralt-Stalinist« unterzeichnete, wollte er die Braven provozieren.
Der Pornograf: In seinem Essay „Fleisch-Kunst-Dreieck“ sieht Alfred Hrdlicka
die „menschliche Natur“ im Spannungsfeld von „geilem“ und „geschundenem Fleisch“. Die kompromisslose Ungeschminktheit der Darstellung des Sexuellen führte zuletzt bei der Ausstellung zu seinem 80iger im Wiener Dommuseum zum Eklat: Kardinal Schönborn ließ am 20. März 2008 die große Radierung „Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini“ entfernen. Es zeigt eine Orgie unter Männern, ergänzt von einer Kreuzigung. „Es gab ja keine Frauen“, erläuterte Hrdlicka, „Schon Leonardo war der Meinung, dass die Apostelrunde von Homoerotik zusammengehalten wurde.“
Die Radierung befindet sich in der Sammlung Arsenschek und ist in dieser Ausstellung zu sehen.
Der Unruhestifter: „Nur wenn die Meinungen aufeinanderprallen, entsteht etwas Schöpferisches. Kunst ohne Reibfläche ist für mich keine Kunst. Was meinen Sie, was da los war hier in Wien, als ich mit meinen Skulpturen zur Judenverfolgung ankam und sie mitten auf die großen Plätze stellen wollte? Die Leute haben Zeter und Mordio geschrieen, niemand wollte an die ermordeten Juden denken. Am Ende wurden sie aber doch aufgestellt, und ich glaube, es hat sich auch etwas bewegt in den Köpfen“
Hrdlickas humoristische Seite sei nicht vergessen: Den ehemaligen SA-Mann und späteren Bundespräsidenten Kurt Waldheim zum Beispiel verfolgte er beharrlich mit einem grotesken Holzpferd, nachdem das Bonmot die Runde machte, „nicht Herr Waldheim, sondern sein Pferd“ sei in der der SA gewesen.

Ernest Kaltenegger

Diethart Arsenschek verbindet eine langjährige Freundschaft mit Alfred Hrdlicka. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass es neben den vielen Ausstellungen zum 80. Geburtstag des Künstlers auch in  der Steiermark die Möglichkeit einer persönlichen Begegnung mit Alfred Hrdlicka und seinem Werk  gibt.
Sein Kommen freut mich auch, weil Alfred Hrdlicka trotz heftiger Angriffe seine widerständige linke  Haltung nie verleugnet hat. Die Aussagen seiner Kunst sind an jene Menschen adressiert, für die ich auch zu wirken suche.
Dem berühmten parteilosen Genossen wünsche ich: Alles Gute zum Geburtstag und viele weitere Jahre des Schaffens!