Auf den Spuren der PartisanInnen - Fotos und Bericht!
22.-24. August: Reise nach Slowenien mit Ernest Kaltenegger
Nirgendwo wurde der Widerstand gegen das Nazi-Regime und seine Verbündeten derart entschlossen geführt wie im Gebiet des späteren Jugoslawien. Nach 1945 wurde der antifaschistisache Kampf - im Gegensatz zu Österreich - enstprechend gewürdigt. Bis heute sind viele Einrichtungen (Druckerei, Basislager, Flughafen, usw.) der PartisanInnen erhalten. Der KPÖ-Bildungsverein organisiert vom 22.-24. August einen Ausflug nach Slowenien, um diese Orte des Widerstands zu besuchen. LAbg. Ernest Kaltenegger wird uns die Hintergründe des jugoslawischen PartisanInnenkampfes, und der österreichischen Beteiligung, näherbringen.
Unkostenbeitrag: 50 Euro
Fotos von der Bildungsreise "Auf den Spuren der PartisanInnen" - Zur Verfügung gestellt von Silvana Weidinger
Die Druckerei "Slovenija" in der Nähe von Idrija
Der Gedenkstein für Willi Frank und Willi Högl
Baza 20: Das Lager der politischen Führung der PartisanInnen
Der Flughafen der PartisanInnen
Reisebericht von Heide Bekhit
Von 22. bis 24. August begaben sich 16 TeilnehmerInnen auf eine vom Bildungsverein organisierten Kurzreise nach Slowenien, um auf den Spuren der PartisanInnen zu wandeln. Dabei konnten sie viel über deren Leistungen und ihr beschwerliches Wirken im Verborgenen erfahren.
Pünktlich nachmittags um vier hatten sich alle TeilnehmerInnen unserer Reise unter dem Motto „Auf den Spuren der Partisanen“ eingefunden, und das Abenteuer konnte beginnen. Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir die slowenische Stadt Idrija, wo wir unser Quartier für die erste Nacht bezogen. Und da man – selbst bei einem Ausflug in die Vergangenheit – auch aktuelle landeskundliche Gegebenheiten mit berücksichtigen soll, wurde der Abend genutzt, um erst einmal das kulinarische Angebot der bereisten Region nebst ihrer Biersorten zu studieren.
Die teilweise recht kurze Nacht tat dem Geschichtsinteresse der TeilnehmerInnen jedoch keinen Abbruch, sodass am nächsten Morgen pünktlich die erste Station unserer Studienreise angetreten werden konnte: die Partisanendruckerei „Slovenija“, wo von September 1944 bis Mai 1945 die einzige Tageszeitung der Widerstandsbewegung gegen den Faschismus in Europa gedruckt wurde. Mit LKW’s, Pferden und schließlich Kurieren wurden die riesigen, in Einzelteile zerlegten Druckmaschinen in den schwer zugänglichen Steilabhang gebracht. - Man bedenke: Für uns TeilnehmerInnen war es schon ohne Last anstrengend genug, von unserem Ausgangspunkt, einer Hochebene, zur Druckerei hinab- und später wieder aufzusteigen! - 40 bis 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren hier ständig beschäftigt. Sie druckten zwischen 4000 und 7000 Zeitungen pro Tag sowie Flugblätter und andere Drucksorten. Bis heute ist die Druckerei voll funktionsfähig. Angetrieben wurde und wird sie von einem kleinen Kraftwerk an einer nahen, gut verborgenen Quelle.
Nach einer kleinen Verschnaufpause ging die Fahrt weiter: über Cerknica (Periodischer See) und Kocevje, das unter Mitwirkung des Österreichischen Freiheitsbataillons befreit wurde, nach Smuka. Halt machten wir am Gedenkstein für das Mitglied des ZK der KPÖ Willi Frank und seinen Funker Willi Högl, welche am 19. 2. 1945 an dieser Stelle von der SS erschossen wurden. Das Grab der beiden befindet sich in Podturn. Auch diesem sollten wir am nächsten Tag noch einen Besuch abstatten. Genosse Ernest Kaltenegger erzählte bei dieser Gelegenheit vom Schicksal des mutigen Grazer Ehepaares Mikusch, das sich unter abenteuerlichsten Bedingungen der Partisanenbewegung anschloss, um für die Volksbefreiung zu kämpfen.
Am frühen Abend erreichten wir noch vor Eintreffen der angekündigten Regenfront unsere Pension in Podturn. Das gemeinsame Abendessen nutzten wir, um uns über das tagsüber Gesehene auszutauschen.
Der nächste Morgen war kühl, aber die Wolken hatten über Nacht bereits den größten Teil ihrer Regenfracht abgeladen. Nach dem Frühstück machten wir uns – warm bekleidet und mit Regenschutz ausgestattet – auf den Weg zu Baza 20, einem wichtigen Denkmal des Volksbefreiungskampfes in Kocevski Rog. 26 Holzbaracken wurden im Schutz des mit 500 Quadratkilometern bis heute größten Waldes Mittel- und Südeuropas hier errichtet. In ihnen hielt sich ab der ersten Jahreshälfte 1943 die politische Führung des slowenischen Widerstandes auf. Unter schwierigsten Bedingungen wurde das Lager versorgt und vor der Entdeckung durch den Feind geschützt. Schließlich mussten hier zwischen 140 und 180 Partisanen ständig mit dem Notwendigsten (Lebensmitteln, Bekleidung u. a.) beliefert werden. Die Vorsichtsmaßnahmen waren so gründlich, dass selbst die meisten Partisanen, die hier lebten, über ihren Aufenthaltsort nicht genau bescheid wussten, damit sie diesen auch bei Gefangennahme nicht verraten konnten. Auf ihrem Weg ins Lager wurden sie stundenlang herumgeführt, schließlich wurden ihnen sogar die Augen verbunden. Auch für das nahe gelegene Partisanenkrankenhaus Jelendal galten diese Schutzmaßnahmen. Schwierig war die Versorgung mit Wasser in diesem wasserarmen Karstgebiet. Der Kamin aus der Küche hatte ein Knie, damit der Rauch gegen einen Felsen geführt werden konnte, von wo er aus dem mit Ästen und Moos getarnten Rohr unentdeckt entweichen konnte.
Am 29. 11. 1943 kam es in Jajce (Bosnien) zu einem Treffen politischer Delegationen aus allen Teilen des Landes, also auch jener aus Baza 20, bei welchem die Grundlagen der späteren Föderativen Volksrepublik Jugoslawien beschlossen wurden.
Im Verlauf unserer Führung erfuhren wir auch mehr über die insgesamt 24 Partisanenkrankenhäuser und die besonderen Leistungen ihrer Ärzte und des Pflegepersonals. Ein Foto zeigte eine Zahnärztliche Behandlung. Gebohrt wurde mit einer entsprechend umfunktionierten Nähmaschine. Ein Chirurg aus Neuseeland soll hier damals erstmals in Europa Penicillin verwendet haben.
Die Partisanen betrieben Werkstätten, druckten ihr eigenes Geld und gründeten auf befreiten Gebieten insgesamt 520 Volksschulen und ein Gymnasium. In ihnen wurden nicht weniger als 34.880 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Aktivitäten der Partisanen schlossen kulturelles Leben mit ein. Es gab Ballettveranstaltungen, Blasorchester, Chöre, Theater und Puppentheater. Damit wollten die Partisanen zeigen, dass sie für eine friedliche Zeit nach dem Krieg vorbereitet waren. In mehreren Anekdoten ließ der Führer unserer Besuchertruppe die Zeit und ihre Gefahren in Baza 20 vor unserem geistigen Auge wieder aufleben.
Im Anschluss an Baza 20 besuchten wir den nahe gelegenen Partisanenfriedhof. 45 Menschen liegen hier begraben.
Mit einiger Verspätung ging es zurück nach Podturn, wo wir uns bei einem köstlichen Mittagessen für den weiteren Verlauf des Tages stärkten. Danach brachen wir auf in die Region Bela Krajina. Von einer Anhöhe aus machten wir einen ersten Blick in die geschichtsträchtige Tiefebene. Am Horizont konnte man bereits die Berge Kroatiens sehen.
Wir fuhren über Crnomelj, wo sich lange Zeit das erste Parlament des befreiten Jugoslawiens befand, nach Tribuce. In Tribuce wurde am 24. 11. 1944 das erste österreichische Befreiungsbataillon gegründet, das sich der jugoslawischen Volksarmee unterordnete. Sein erster Kommandant hieß Max Baier. Er war als kleiner Bauer in den spanischen Bürgerkrieg gezogen, und sollte später, nach seinem mutigen Einsatz für die Volksbefreiung und nachgeholtem Studium, Universitätsprofessor in Berlin werden.
Schließlich führte unsere Fahrt zur letzten Station unserer Bildungsreise: einem Partisanenflugplatz, ebenfalls in der Bela Krajina gelegen. Ein hier ausgestelltes Flugzeug erinnert an den einstigen Flugplatz, der der Versorgung der Region mit Nahrung, Kleidung, Medikamenten und Waffen diente, aber auch dem Abtransport von insgesamt 1.473 Verwundeten sowie rund 2.000 Kindern, Frauen und alten Menschen.
Silvana, unsere Fotografin, bat noch zu einem abschließenden Gruppenfoto, und dann hieß es Abschied nehmen und auf in heimatliche Gefilde. Am späten Abend erreichten wir Graz, etwas müde, aber ausgestattet mit vielen bleibenden Eindrücken und wertvollen Informationen über das einstige Wirken der Partisanen und Partisaninnen in Slowenien.
Reiseroute
Freitag, 22.8., 16 Uhr: Abfahrt in Graz (Lagergasse 98a).
Anreise bis Idrija. Abendessen.
Samstag, 23.8.: Wanderung zur Partisanendruckerei „Slovenija“.
Einzigartiges Denkmal zur Erinnerung an den Volksbefreiungskampf. Nach sorgfältigen und geheimen Vorbereitungen begann die Druckerei im September 1944 zu arbeiten. Zum Betrieb einer schnellen Druckmaschine wurde ein kleines Kraftwerk auf einer sehr verborgenen, kaum zugänglichen Stelle an einer starken Quelle errichtet. Trotz häufiger Offensiven in der Umgebung wurde die Druckerei vom Feind nie entdeckt. Hier wurde die einzige Tageszeitung der Widerstandsbewegung gegen den Faschismus in Europa gedruckt. Nach dem Krieg wurde sie zum kulturhistorischen Denkmal erklärt. Sie wird mit ihrem ganzen ehemaligen Inventar erhalten
Anschließend Fahrt über Cerknica (Periodischer See!), Kocevje (wurde unter Mitwirkung des Österreichischen Freiheitsbataillons befreit) nach Smuka.
Hier befindet sich ein Gedenkstein für das Mitglied des ZK der KPÖ Willi Frank und seinen Funker Willi Högl, welche an dieser Stelle von der SS erschossen wurden.
Abendessen und Übernachtung in Podturn.
Sonntag, 24.8.: Baza 20
Denkmal des Volksbefreiungskampfes in Kocevski Rog. Das ausgedehnte karstige Waldgebiet bot sicheren Schutz für die versteckt errichteten Holzbaracken. Unter den vielen Basen war Baza 20 die wichtigste. Sie wurden in der ersten Jahreshälfte 1943 errichtet und war Sitz eines Teiles der politischen Führung des slowenischen Widerstandes.
Anschließend Wanderung zu einem Partisanenfriedhof und zum Partisanenkrankenhaus Jelendol.
Fahrt über Crnomelj nach Tribuce.
Hier wurde am 24. November 1944 das Österreichische Freiheitsbataillon gegründet.
Partisanenflugplatz in der Bela Krajina.
Wenn noch ausreichend Zeit bleibt: Besichtigung des Museums der Vertreibung in Brestanica.
Rückfahrt nach Graz.
Noch ein paar Hinweise:
Anmeldung unter 0316/225931 oder per email: bildungsverein@kpoe-steiermark.at
Die TeilnehmerInnenzahl ist leider begrenzt, daher bitten wir um rechtzeitige Anmeldung.
Wir bewegen uns in früherem PartisanInnengebiet! Das heisst in den Bergen! Daher ein wenig Kondition und entsprechendes Schuhwerk mitbringen.
Im Unkostenbeitrag von 50 Euro sind zwei Übernachtungen, zwei Mittagessen, und die Eintrittsgebühren enthalten.