Zwischenwelt
Josef
Schützenhöfer, 1954 in Vorau geboren, lebte von seinem 18. bis 42.
Lebensjahr in den USA. Dort verbrachte er Jahre, die ihn geprägt haben.
Dort studierte er Kunst, und dort entwickelte er in seinen Bildern den
Groll gegen die Verbrechen der Herrschenden. 1997 kehrte er nach Pöllau
und damit nach Österreich zurück. Hier wird er nie ganz ankommen, denn
hier macht ihn die chronische Verlottertheit der politischen Kultur
zornig. Hier stellt sich die Frage: Hat dieses Land es verdient durch
die Alliierten – mit solch schweren Opfern – befreit zu werden?
Potentaten
Kriegs-
und Konzernherren, den Papst und konservative Gottesvertreter,
postfaschistische Populisten, lokale Potentaten,
Verschandelungsaktivisten, patzige Uniformträger und verstockte
Kriegsverehrer übergießt er mit seinem grimmigen Spott, bannt sie in
ihrer Lächerlichkeit auf
Leinen und Papier. SIE sind ihm die
Verantwortlichen für das Elend der Welt. ER kämpft für soziale
Gerechtigkeit und gegen die Verlogenheit. So lange „der Mensch ein
erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches
Wesen ist“ steht er auf ihrer Seite.
Solidarität
Seine
Bilder geben den Menschen ihre Würde zurück. Beinahe zärtlich sind
seine Darstellungen arbeitslos gewordener Helden und Heldinnen der
Arbeit, herumgestoßener AsylwerberInnen, mutiger KämpferInnen für die
Befreiung, und zu Tode geschundener Maschinen. Sein Zorn wird
von
einem ewigen Traum getragen, der konkreten Utopie einer sozialen,
gerechten und humanen Gesellschaft. Dafür scheut er nicht vor dem
Mittel der Propaganda zurück. Er malte im Stile eines aktualisierten
sozialistischen Realismus ohne Typisierungen, denn alle müssen ihn
verstehen
können. Er lässt sich durch die schlechten Erfahrungen
früherer Generationen an KünstlerInnen, die von der Politik missbraucht
wurden, nicht von seinem Weg abbringen. Er ist nicht bereit auch nur
einen Zentimeter nachzugeben: Es gelang ihm sogar in der Grazer
ÖVP-Zentrale das Denkmal eines amerikanischen Befreiers dauerhaft zu
platzieren.
Politik der Natur
Zuletzt
entstanden Landschaftsbilder und Skizzen in seinem, durch minutiöse
Genauigkeit und perfekte Technik faszinierenden, realistischen
Personalstil. „This is my land“ heißt die Serie, nach dem berühmten
Lied von Woody Guthrie. Er sucht dafür letzte, noch nicht vermarktete
Reste der
istrischen Küste oder eignet sich den Ast eines Baumes an.
„Jeder Pinselstrich verfällt in die Rolle des Durchgehenden, des
Künstlers, der Landnahme betreibt…“ Er erzwingt sich temporär einen
öffentlichen Anteil am privaten Besitz, setzt einen Akt der „Politik
des Einzelnen“ in die Natur,
macht ihn dauerhaft in seinen Bildern, stellvertretend für uns alle...
Günter Eisenhut


