am Beispiel des deutschen Schlagers
Vortrag von Berndt Luef
Do, 15.11.2007, 19 Uhr
im KPÖ-Bildungszentrum - Lagergasse 98a - 8020 Graz
Seit den 1980er Jahren erlebt der deutsche Schlager eine Renaissance von unvorstellbaren Ausmaß und ist eine kommerziell erfolgreiche Verbindung mit der sog. Volksmusikszene eingegangen. Die Plattenbranche puscht ihre Stars in den "Musikantenstadl Shows" und eigenen Festivals und die diversen SängerInnen und Gruppen füllen riesige Bierzelte. Die Ideologie in den Texten und die musikalischen Form ist aber immer noch diesselbe wie in den "goldenen" 50er Jahren. Berndt Luef unternimmt eine ideologische und musikalische Analyse dieses Phänomens.
Auszug:
Da für die Nazis die Musik ein wichtiges Propagandamittel war, musste sie gesäubert werden. Einerseite von den "jüdischen" und "kulturbolschewistischen" Elementen, andrerseits von jenen Erscheinungsformen (= Klängen), die, auch ohne speziell politisch motiviert zu sein, der gewünschten Disziplinierung der Massen entgegenwirken könnte. Ersteres führte zu einem bis heute nicht ausgeglichenen Aderlass der deutschen Musikkultur und zweiteres zu einer "reinen und der Schönheit dienenden" Harmonielehre. Da die Musik über die Wirklichkeit hinwegtäuschen und die Verheißungen des dritten Reichs verherrlichen sollte, wurde sie auf das Allerletzte vereinfacht, der Dreiklang zu dem stilbildenden Akkord und die Funktionsharmonik zu dem stilbildenden Prinzip. Für all die Mythen, den erhabenen Pathos und das militante Droh - und Imponiergehabe wurde eine regenerierte Tonsprache benötigt.
Grundsätzlich wird ja die Musik desto stärker emotionalisiert, je stärker der Druck und je ohnmächtiger das "Lebensgefühl" ist. Und während die Fronten des „tausendjährigen Reiches“ schon überall zusammenbrachen hörte man aus den Volksempfängern Zarah Leander`s „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ oder „Davon geht die Welt nicht unter...“
Kurze Klarstellung: Natürlich gilt das für alle diktatorischen Regime; aber nirgendwo sonst ist die Verstumpfung der sog ."Volksmusik" so perfekt gelungen wie in Deutschland und in Österreich.


