Das dreitägige Seminar bringt
GewerkschafterInnen und AktivistInnen aus verschiedenen Teilen des
Energiesektors und der energieintensiven Industrien zusammen. Gemeinsam mit
WissenschafterInnen geht es vor allem um die Frage, welche Rolle ArbeiterInnen
in der Schaffung eines neuen globalen Energiesystems spielen können. Besonders
im Hinblick auf die aktuelle ökonomischen Krise, die sich auch immer stärker zu
einer politischen Krise entwickelt. Das Seminar versteht sich als Beitrag in
einem langfristigen Prozess der Auseinandersetzung über ein neues
Energiesystem, zum Vorteil der ArbeiterInnen ist, und als Teil eines weiter
gedachten Prozesses von Widerstand, kollektiver Solidarität, und alternativen
sozialen und ökonomischer Beziehungen verstanden werden kann, um schlussendlich
einen emanzipatorischen Ausweg aus der Krise zu finden. Das Seminar soll den
gemeinsamen analytischen Rahmen der TeilnehmerInnen stärken, und den Grundstein
für eine längerfristige Zusammenarbeit legen.
Das Seminar soll die erste vorbereitende
Veranstaltung für ein globales Treffen mit dem Titel „Eine andere Energie ist
möglich!“ sein. Diese große internationale Konferenz wird in der zweiten Hälfte
des Jahres 2011 stattfinden, und zielt darauf ab im Hinblick auf die Fragen von
Energie und Klimawandel einen bedeutenden Beitrag „von unten“ zu leisten.
2. Tag: Konzepte und langfristige
Strategien für einen Wandel von Energie und Arbeit
3. Tag: Vorschläge für globale
Aktionen und Interventionen, im Hinblick auf „Eine andere Energie ist möglich!“
und andere Initiativen
Die Richtung in die sich das globale
Energiesystem in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist aufs engste mit den
verschiedenen möglichen Auswegen aus der aktuellen Krise verbunden. Die
Veränderungen im Energiesektor vollziehen sich in einem atemberaubenden Tempo.
Das Zusammenspiel ökologischer, politischer, finanzieller und ökonomischer
Faktoren sorgt dafür, dass die Produktion und Konsumtion von Energie zentral
wird für die globale politische und ökonomische Entwicklung. Das gilt für
Energie generell, und im speziellen auch für den Bereich erneuerbarer Energien.
Energie ist eines der wesentlichen
Produktionsmittel der Weltökonomie und zugleich essentiell für ein nachhaltiges
Leben. Daher ist Energie ein Schauplatz von Kämpfen und Ungleichheiten. Das
Weltenergiesystem steht am Rande von großen Veränderungen, und dadurch eröffnet
sich ein Feld der Möglichkeiten. So wie sich dieser Prozess der Veränderung,
der noch am Anfang steht, beschleunigt und intensiviert, werden sich die Kämpfe darüber, wer den
Sektor kontrolliert und für welche Zwecke Energie produziert wird,
intensivieren. In den letzten Jahren hat es in diesem Bereich zunehmend
Spannungen gegeben, und nun brechen diese offen aus, und werden sich im Zentrum
der nächsten Runde des globalen Klassenkampfs befinden.
Allerdings ist der Klassenkampf
immer etwas unsicheres, und das bedeutet, dass die Energiewende selbst ein
Prozess großer Unsicherheiten und Unklarheiten ist. Vieles dieser
Unsicherheiten hängt an der Frage, wer die Energiewende herbeiführen wird, zu
welchem Zwecke dies passiert, und zu wessen Vorteil das sein wird. Die
Konflikte sind struktureller Natur. Sie sind da, und können nicht beiseite
gewischt werden. Das heißt, dass wir uns nun in einem entscheidenden Moment
kollektiver Neuausrichtung der Kräfte befinden. Aus diesem Grund ist es von
größter Dringlichkeit fundierte Entscheidungen zu treffen, auch darüber mit wem
man auf welcher Basis zusammen arbeitet.
Es ist es längst überfällig eine
Entwicklung in Gang zu setzen, die die bestehenden Hierarchien und Spaltungen,
welche über das Potential verfügen sich im Zuge der Veränderung noch zu
verschlimmern, vermeidet und überwindet. Das wären folgende: Die Beziehungen
zwischen ArbeiterInnen in der Stadt und auf dem Land, die Beziehung zwischen
„schmutziger“ und „sauberer“ Energie, und die Beziehungen zwischen Communities
und ArbeiterInnen in den energieproduzierenden und energiekonsumierenden
Regionen.
Die Notwendigkeit einer raschen und
weitgehenden Reduktion des CO2-Ausstosses steht außer Streit. Die entscheidende
Frage ist, wie diese Veränderungen eingeleitet werden können, und die
betroffenen Communities und ArbeiterInnen dabei tonangebend sind. Ein zentrales
Thema ist hier die Bedeutung von „sauberer Energie“, und in welchem Ausmaß es
möglich oder nicht möglich ist „schmutzige“ Energie und energieintensive
Industrien zu sanieren. Vorausgesetzt dies ist möglich, wird es wichtig sein
diesen Prozess so zu gestalten, dass er die betroffenen ArbeiterInnen stärkt,
und nicht auf ihre Kosten vonstatten geht. Für den Fall, dass diese „Sanierung“
nicht möglich ist, wird es notwendig sein, dass diese freigesetzten
ArbeiterInnen sich selbst schützen und für Alternativen kämpfen können.
Die andere Seite der
Energie/Klima-Krise ist „Peak Oil“
und thematisiert die Knappheit und Endlichkeit von Ressourcen, und die
Notwendigkeit diese in einem kollektiven Prozess fair zu verteilen. Dies wird
ausschlaggebend sein, wenn wir die Zunahme bereits bestehender
Ungerechtigkeiten (besonders im Hinblick auf Klasse, „Rasse“, Geschlecht und
Alter) verhindern wollen. Lösungsansätze müssen sich aktiv darum bemühen, dass
ArbeiterInnen in verschiedenen Gegenden der Welt, ob bezahlt oder unbezahlt,
nicht gegeneinander ausgespielt werden, und einer gegen den anderen antritt. Es
muss dafür gesorgt werden, das Kapital die Kosten trägt, und nicht die Arbeit.
Jedweder Wechsel zu einem neuen
Energiesystem darf nicht auf Kosten der ArbeiterInnen, ob bezahlt oder unbezahlt,
gehen. Das beinhaltet ArbeiterInnen in den bestehenden – überwiegend fossilen
und nuklearen - Energiesektoren, ArbeiterInnen in den arbeitsintensiven
Industrien, und ArbeiterInnen in den neu entstehenden Sektoren der erneuerbaren
Energien.
Einerseits muss sicher gestellt
werden, dass die, die heute von „schmutziger“ Energie oder den
energieintensiven Industrien abhängig sind, nicht ohne Lebensgrundlage zurück
bleiben. Die ArbeiterInnen in diesen Sektoren haben oft jahrzehntelange
Erfahrung in Organisationsarbeit, und es ist wichtig, dass deren Erfahrungen,
Fähigkeiten und Wissen in der Energiewende nutzbar gemacht werden. Andrerseits
expandiert der Bereich der erneuerbaren Energie weltweit und beschäftigt immer
mehr ArbeiterInnen. Es wird ebenso wichtig sein, dass die Energiewende auch
nicht zu deren Lasten erfolgt. Im besonderen besteht die Gefahr, dass die
ArbeiterInnen in den erneuerbaren Energien gezwungen sein werden, die
erforderliche Infrastruktur und die notwendigen Kapazitäten sehr schnell und
unter großem Druck aus dem Boden
zu stampfen. (Wie das auch schon passiert, beispielsweise im Hinblick auf
Agrotreibstoffe.) Die Beschäftigten in diesen Sektoren erkennen nun, dass sie
sich schnell und effektiv organisieren müssen um dies zu verhindern. Daneben
gibt es noch die Frage der energieintensiven Industrien, wie der Autoindustrie
oder dem Tourismus. Viele davon tragen schon heute die Hauptlast der aktuellen
Krise, und stehen in der ersten Reihe des Widerstands.
Es wird eine der zentralen Fragen
sein, wie die Konkurrenz unter den verschiedenen ArbeiterInnen verhindert
werden kann. Es wird darauf ankommen, dass ArbeiterInnen eine Entwicklung
einleiten, die auf Solidarität und gegenseitige Unterstützung bei den
verschiedenen Kämpfen basiert.
Abschließend ist zu sagen, dass es
wichtig sein wird, eine langfristige Zusammenarbeit zu schaffen, um
nichtkommerzielle Kooperationsprojekte im Transfer erneuerbarer
Energietechnologien zu bewerkstelligen, um die Forschung in freien Technologien
voranzutreiben, und Bildung und Ausbildung auf Ebene der Bewegungen besser zu
verankern. Um das zu ermöglichen sind zwei Dinge entscheidend: Unsere
kollektiven Fähigkeiten und Möglichkeiten in diesen Technologien zu verbessern,
und eine kollektive Anstrengung um Geldmittel zu lukrieren.
+ Eine gemeinsame Analyse der
globalen Krise und des sich entwickelnden weltweiten Energiesektors zu
entwickeln. Das beinhaltet den Austausch von Information über lokale und
globale Kämpfe in verschiedenen Sektoren, wie auch die Diskussion über
langfristige Strategien.
+ Einen Beitrag zur Diskussion zu
leisten, wie Energie produziert, verteilt und konsumiert wird, und wie der
gesellschaftliche Reichtum produziert, verteilt und konsumiert wird. Ideen zu
entwickeln, wie diese Prozesse unter kollektive Kontrolle gebracht werden
können, um menschliche und ökologische Bedürfnisse zu befriedigen und nicht den
Anforderungen des profitgetriebenen Weltmarkts untergeordnet zu sein.
+ Eine Grundlage zu legen für etwaige
Zusammenarbeit in der Zukunft, also Interventionen, Initiativen und Projekte
für die Zukunft zu diskutieren. Das kann im Kontext von „Eine andere Energie
ist möglich“ sein, aber auch außerhalb dieser Dynamik stattfinden.
Die größte Gruppe werden
VertreterInnen von ArbeiterInnenorganisationen sein (vor allem Gewerkschaften
und deren internationale Vereinigungen), die durch ihre strukturelle Position
eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines neuen Energiesystems haben
werden, und deren Lebensgrundlage und Arbeitsbedingungen von einer solchen
Veränderung betroffen sein können. Also ArbeiterInnen des bestehenden
Energiesystems und der energieintensiven Branchen. Auf der anderen Seite werden
auch ArbeiterInnen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien angesprochen. Die
zweite Zielgruppe sind ForscherInnen, die sich mit strategischen Fragen rund um
Krise und Klassenkampf, Produktion und soziale Reproduktion beschäftigen. Die
dritte Gruppe sind Menschen mit einem entsprechenden Wissen in erneuerbaren
Energien (technisch, politisch, finanziell, organisatorisch, usw.), die ihr
Wissen aber in nicht-kommerziellen Bahnen weitergeben wollen, und ihrer
Forschung open source Technologie zugrunde legen, damit ArbeiterInnen und Communities
davon profitieren können.
Darüber hinaus werden auch noch
AktivistInnen aus Graz und dem restlichen Österreich an dem Seminar teilnehmen.
Die Idee ist auch lokale Gruppen in diese globalen Prozesse einzubinden.