Forumtheater ist eine interaktive Theaterform, die in der Arbeit von InterACT eine großen Stellenwert einnimmt: Es ist eine öffentlich-theatrale Diskussion, in der das Publikum alternative Handlungen und Handlungsweisen zu einer vorgespielten Szenenfolge ausprobieren kann.
Forumtheater hebt die Grenze zwischen SchauspielerInnen und ZuschauerInnen auf, das Publikum verwandelt sich in den Teilnehmer und Verantwortungsträger des dramatischen, theatralen Geschehens. Es ist eine grundlegend Form des demokratischen Dialogs in Handlungen: Jede Frau, jedes Kind, jeder Mann kann zu den gezeigten Szenen Stellung beziehen, kann die Macht des Wortes und/oder der Handlung ergreifen und zeigen, was er sie verändern möchte.
Gezeigt wird eine Szene, die darstellt, wie gesellschaftliche Realität erlebt wird, sie mündet in ein unbefriedigendes und ungelöstes Ende. Das Publikum wird eingeladen, jene Rollen zu ersetzen, die im Verlauf der Szene als ohnmächtig, ratlos oder unterdrückt erscheinen. Beim nochmaligen Spielen der Szene kommen ZuschauerInnen auf die Bühne und können unterschiedlichste Lösungsvorschläge für das Problem, den Konflikt durchagieren. Dadurch werden die Folgen des Handelns sichtbar gemacht - Handeln und Erkenntnis werden in einem solchen "dramatischen Labor" gemeinsam entfaltet und reflektiert.
Forumtheater wird auf diese Weise zu einem kraftvollen, unterhaltsamen und spannenden Medium, dass ein kollektives Brainstorming zu Handlungsideen und neuen Perspektiven aktiviert.
Forumtheater zählt zu den Theaterformen des "Theaters der Unterdrückten" und wurde von Augusto Boal (Brasilien) entwickelt.
Was ist Legislatives Theater?
Legislatives Theater ist die Erweiterung von Forumtheater zu einem Instrument der Partizipation, der Demokratisierung und der Stadtentwicklung, mit dem eine neue Form des Dialogs zwischen BürgerInnen und politischen EntscheidungsträgerInnen möglich wird, entwickelt und praktiziert in Rio de Janeiro (1992-1996) von Augusto Boal.
Aus einer aktuellen Problematik heraus werden Stücke und Szenen entwickelt und auf Straßen, Plätzen, in Gasthäusern etc. aufgeführt. Die in den “Einstiegen” des Publikums gebrachten Ideen und Vorschläge für Veränderungen und Verbesserungen werden gesammelt. Sie bilden die Grundlage für die Formulierung von Gesetzesinitiativen und -vorschlägen, die den entsprechenden politischen Gremien vorgelegt und kommuniziert werden, ganz nach dem Motto von Augusto Boal: “Transform Desire into Law”.
Legislatives Theater kann darüber hinaus überall dort zu einem ästhetisch-demokratischen Instrument
werden, wo es um das partizipative Aushandeln von Spielregeln des Miteinander geht, sie es in Schulen, Betrieben, in Siedlungen auf öffentlichen Plätzen u.ä.m.
InterACT, die Werkstatt für Theater und Soziokultur
InterACT ist eine professionelle Theater- und Kulturinitiative, die Theater und szenisches Spiel für eine Kultur des Dialogs und des Zusammenlebens, für Empowerment und Partizipation sowie für persönliche und soziale Veränderung nutzbar macht.
Wir realisieren in einem multiprofessionellen Team Workshops, Projekte und Produktionen als künstlerische und soziale Interventionen in vielfältige Felder, Institutionen und Räume, mit denen wir Grenzen zwischen Alltag, Kultur und Kunst überwinden und zur kreativen Auseinandersetzung mit Konflikten, Problemen und Visionen anregen.
Als ästhetische Mittel verwenden wir in erster Linie interaktive Theaterformen wie das Forumtheater nach Augusto Boal. Wir entwickeln je nach Projekt unsere sparten- und methodenübergreifenden Ansätze, die sich an der interdisziplinären Schnittstelle von Kunst, pädagogischer Praxis und Wissenschaft bewegen, weiter.
Die Schwerpunkte in unserer Theaterarbeit und Projekttätigkeit sind:
- Gewaltpräventive Theaterarbeit in Form von Workshops („Gewalt im Alltag“), Projekten und Produktionen („Alles Liebe, Dein Dieter. Ein Forumtheater gegen Gewalt in der Familie“)
-Gruppenspezifische Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen, Frauen, Flüchtlingen, erwerbslosen und wohnungslosen Menschen, HaftinsassInnen, Menschen mit Beeinträchtigungen...)
- Öffentlicher Raum und Beteiligung: permanent breakfast -Frühstücken im öffentlichen Raum (1997 - 2004); forum.findet.stadt
- Forumtheater als Werkzeug von BürgerInnenbeteiligung/ Legislatives Theater
-Interaktives Theater für Unternehmen und Organisationen (Workshops, Projekte u.a. Zeiss IMT Austria, Firma Saubermacher, MAGNA u.a.)
Mehr Informationen unter: www.interact-online.org