Lisl Rizy/Willi Weinert: Österreichische Remigration aus der Sowjetunion
Ein Beitrag zur Opferdiskussion
Lisl Rizy, Willi Weinert: Österreichische Reemigration aus der Sowjetunion. Ein Beitrag zur Opferdiskussion
2009
, Wiener Stern Verlag, 214 Seiten mit 150 Fotos und Abbildungen
ISBN: 978-3-9502478-1-7
Preis: Euro 18.- (excl. Versandkosten von Euro 2,00 Inland; 5,50 Ausland)
Erhältlich: Durch Bestellung per Mail an
wiener.sternverlag@chello.at oder direkt im Bildungsverein der KPÖ Steiermark, Lagergasse 98a, 8020 Graz
Geht es um die Emigration der österreichischen ArbeiterInnen nach dem Februar 1934 in die Sowjetunion, steht vorrangig die Hervorhebung der "Opfer des Stalinismus" im Vordergrund. Im Sinne der Totalitarismustheorie soll dadurch dem/der LeserIn ein negatives
Bild der Sowjetunion als Diktatur und wesensgleich mit dem (deutschen)
Faschismus suggeriert werden. Dabei wird immer wieder mit kaum belegbaren Zahlen, Spekulationen und Vermutungen operiert, die jeder wissenschaftlichen Arbeitsweise Hohn sprechen.
Um dieser Unsitte ein Ende zu bereiten, hat das bewährte Autorenduo Lisl Rizy und Willi Weinert ein bemerkenswertes und faktenreiches Buch zum Thema vorgelegt.
Damit existiert erstmals eine Auflistung jener mehr als 1.300 ÖsterreicherInnen, die aus der sowjetischen Emigration nach Österreich zurückgekehrt sind. Sie haben (bis aus wenigen Ausnahmen), noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion, diese wieder verlassen , um u. a. am Kampf gegen den Faschismus teilzunehmen. Weder wurden damals ÖsterreicherInnen an Hitlerdeutschland "ausgeliefert", noch stimmt es, dass die meisten von ihnen in ein KZ kamen und dort verstarben. Nachweislich wurden von mehreren Hundert, damals aus der Sowjetunion ausgewiesenen Personen, acht von Nazideutschland in ein KZ eingewiesen, von denen fünf verstarben.
Lisl Rizy und Willi Weinert haben dazu die sogenannte "Blaue Kartei", welche von den NS-Behörden über die RückkehrerInnen aus der Sowjetunion angelegt wurde, sowie zahlreiches biographisches und statistisches Material gesichtet und verarbeitet. Dieses ist im Anhang des Buches einsehbar. Der Arbeit beigefügt wurden auch die Namen der Personen, die die KPÖ ca. 1941 von den RückkehrerInnen zusammengestellt hat. Ebenso wurden auch die Namen der nach der Befreiung Österreichs 1945 aus der Sowjetunion in die Heimat Remigrierten sowie eine Liste jener Personen, die in der Sowjetunion verblieben sind. Sie alle kommen für eine "Opfer"-Vereinnahmung nicht in Frage.
Das Buch ist aufklärerisch im besten Sinne, indem es mit den vorherrschenden Mythen über das Schicksal der österreichischen Emigration in der SU fundiert aufräumt. Wichtig für die Orientierung die/der LeserIn ist die Einordnung des Geschehens in den zeitgeschichtlichen Kontext sowie der Vergleich betreffend den Umgang der westlichen Staaten mit den antifaschistischen Emigranten aus Österreich (und Deutschland) in dieser Zeit. Ebenso hilfreich ist die juristische Erklärung der verwendeten Begriffe. Dieses Buch kann jeder/n zeitgeschichtlich Interessierten empfohlen werden, er/sie wird es mit Gewinn lesen.