1973 beginnt in der französischen Stadt Besançon ein soziales Experiment. Die renommierte Uhrenfabrik LIP ist in Schwierigkeiten. Nach einem Besitzerwechsel fürchten die ArbeiterInnen um ihre Arbeitsplätze. Aus einem harten Arbeitskampf entwickelt sich das Undenkbare: Zusammen mit den Gewerkschaften beschließen die ArbeiterInnen die Besetzung der Fabrik und übernehmen die Uhrenproduktion in Eigenregie.
KPÖ-Bildungszentrum, Lagergasse 98a, 8020 Graz
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1973 beginnt in der französischen Stadt Besançon ein soziales Experiment. Die renommierte Uhrenfabrik LIP ist in Schwierigkeiten. Nach einem Besitzerwechsel fürchten die ArbeiterInnen um ihre Arbeitsplätze. Aus einem harten Arbeitskampf entwickelt sich das Undenkbare: Zusammen mit den Gewerkschaften beschließen die ArbeiterInnen die Besetzung der Fabrik und übernehmen die Uhrenproduktion in Eigenregie. Ihre Aktion schlägt international hohe Wellen, erfährt aber auch viel Solidarität. Zwei Jahre lang gelingt es ihnen, die Produktion am Laufen zu halten, Konzepte selbstbestimmter und gleichberechtigter Arbeit zu erproben und Entlassungen zu verhindern, bis die Fabrik 1975 zerschlagen wird.
Für einen Moment scheint es möglich, dass die Selbstverwaltung der Arbeiter zum Vorbild einer neuen, intensiv gelebten Demokratie werden könnte. Menschen aus ganz Europa reisen nach Besançon, um ihre Solidarität zu zeigen und sich vor Ort zu informieren. Die französische Regierung unter Giscard d’Estaing und Jacques Chirac fürchtet schließlich, dass die Entwicklung bei LIP das gesamte Sozialsystem Frankreichs infizieren könne, und zerschlägt die Bewegung der LIP-ArbeiterInnen und ihr Werk in mehreren Anläufen.
Der Dokumentarfilm von Christian Rouaud erteilt den AktivistInnen von damals das Wort. Ihm gelingt Chronologie der Ereignisse, die von den ProtagonistInnen so detailreich und gewitzt erzählt wird, als wäre sie gestern passiert. Für die Beteiligten waren die breite Solidarität in der Bevölkerung und das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Streikenden prägende Erfahrungen, die bei vielen in ihrem heutigen Engagement nachwirken.