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Bildungsverein der KPÖ Steiermark
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Revolution und Konterrevolution in Afghanistan

22. April 08, 18 Uhr: Anläßlich des 30. Jahrestages der afghanischen Revolution

Am 27. April 1978 stürzten innerhalb von 12 Stunden eine Gruppe patriotisch gesinnter Offiziere und Soldaten der afghanischen Armee das im Volk wegen seiner rigorosen Reformpolitik im Interesse der besitzenden Schichten verhaßte Regime Dauds und ergriffen die Macht.

Die neue Regierung begann die mittelalterlichen Lebensverhältnisse (Feudalbesitz, Analphabetismus, Frauenunterdrückung,...) Afghanistans hin in eine humane Zukunft zu ändern und leitete weitreichende Reformen (Landreform, Einrichtung eines Bildungssystem, Entwicklung einer Industrie, Zurückdrängung des religiösen Einflusses, etc.) ein. Doch die entmachteten Stammeseliten zettelten mit Unterstützung der USA und anderer westlicher Staaten den Bürgerkrieg an.

Unser Referent, Dr. Ghulam Mohsenzada, war Universitätsprofesser in Kabul und Mitarbeiter dieser Regierung. Er wird uns eine einmalige Innensicht der damaligen Maßnahmen vermitteln und uns dabei die Entwicklung Afghanistans in der jüngeren Geschichte bis zum aktuellen "Krieg gegen den Terror" nahebringen.



Dienstag, 22. April 18 Uhr (Achtung, Beginn früher als gewohnt!)
KPÖ-Bildungszentrum, Lagergasse 98a, 8020 Graz



Afghanistan gehörte zum Zeitpunkt der Aprilrevolution zu den Ländern mit äußerster Rückständigkeit, niedrigem Niveau der Produktivkräfte und begrenzter innerer Akkumulationsbasis. Hinsichtlich des Gesundheitsschutzes nahm das Land die 119. Stelle, bezüglich des Anteils von Analphabeten unter der Bevölkerung mit 90% den 127. Platz von 129 in UN-Statistiken untersuchten Ländern ein. Vorherrschend waren vorkapitalistische, bis zu einem gewissen Grad noch vorfeudale Produktionsverhältnisse

Traditionelle Wertvorstellungen und Verhaltensweisen, religöse Handlungsmotive und Bewußtseinsformen des Islams als dominierender Form des Massenbewußtseins prägten das gesellschaftlichte Leben. Tausende afghanische Frauen verbargen ihr Gesicht hinter dem Parandsha (Gesichtsschleier). (Dies ist heute in den von den Taliban besetzten Gebiete wieder gesetzliche Pflicht, ebenso wie der Bartzwang für Männer). Polygamie des Mannes war eine weitverbreitete Erscheinung.

Da Afghanistan weitgehend agrarisch gepägt ist, war die Hauptaufgabe der Revolution die Durchführung einer Bodenreform. Sie befreite 40% der Bauern von Schuldenzurückzahlungen an Großgrundbesitzer und Wucherer, 350 000 Bauernfamilie erhielten Land zugeteilt. Die Versorgung mit Wasser - unter den Bedingungen des trockenen Klimas und der geringen Bodenfruchtbarkeit eine besonders wichtige Frage - wurde wesentlich verbessert. Kredite zum günstigen Bedingungen für den Kauf von Geräten, Traktoren, Mineraldünger und Wasserpumpen stellte der Staat zu Verfügung

Außerdem wurde noch folgende Maßnahmen ergriffen:
  • Ausbau und Festigung des staatlichen Sektors in der Wirtschaft
  • Demokratisierung des gesellschaftlichen Lebens und des Staatsapparates
  • Stärkung der Armee zur Verteidigung der revolutionären Errungenschaften
  • Beseitigung der Diskriminierung ethnischer Minderheiten
  • Herstellung und Sicherung der Gleichberechtigung von Mann und Frau auf allen Gebieten
  • Einführung der allgemeinen obligatorischen kostenfreien Grundschulausbildung sowie Ausbau einer unentgeltlichen Ober- und Hochschulbildung und Berufsbildung auch für Mädchen und Frauen
  • Aufbau einer unentgeltlichen gesundheitlichen Betreuung sowie der Kampf gegen Haschisch, Opium und andere Drogen.
Doch jene Eliten, die durch diese Reformen ihre Machtposition verloren, sannen auf Rache und verwickelten Afghanistan in einen Bürgerkrieg, der von den USA u. a. nach Kräften geschürt wurde. Doch selbst die Hilfe der Sowjetunion konnte den Sieg dieses fortschrittlichen Projektes nicht mehr retten. Die Taliban stürzten das Land gesellschaftspolitisch erneut in das Mittelalter zurück.

Es dürfte also eine spannender Vortrag samt Diskussion werden. Hinkommen zahlt sich in jedem Fall aus.

Literaturtipp: In der Zeitschrift Weißenseer Blätter ist in den Heften Nr. 1, 2 und 3 des Jahres 1997 ein gut lesbarer Aufsatz über die damaligen Ereignisse erschienen. Bitte im dortigen Archiv nachsehen.